Galerie Stephanie Jaax

AUFMARSCHIERT !

Die Galerie Stephanie Jaax wurde mit der Ausstellung « Aufmarschiert » im März 2022 wieder eröffnet. Der Einmarsch der Russen in die Ukraine war zeitgleich, daher der Titel, denn das Leitmotiv aller Bilder in der Ausstellung ist der Armeestiefel.

« Aufmarschiert » -ein Befehl, Krieg, « Schließt Eure Fenster, hier spricht der Präsident », schallt es durch die Lautsprecher. Der Musiker und Maler Thomas Jaax stellt seine Musikstücke und Bilder zusammen mit dem von Werner Büttner, « Badende Russen » aus, letzteres malte er 1984 . Es ist Bestandteil der Privatsammlung von Stephan Jaax.

Die Improvisation ist Motor der Malerei und musikalischer Komposition bei Thomas Jaax. Der 70 jährige Künstler beschreibt, dass letztere in den letzten Jahren 'selbstverständlicher' geworden ist ; es ist nicht mehr der innere 'Kampf, durch den er getrieben wird zu malen oder zu musizieren, sondern eine Art 'Traumwandeln', welche die Transformation von innen nach aussen bedinge. Thomas Jaax benennt diesen Zustand als einen der Leichtigkeit, Schwerelosigkeit. Der Künstler litt in jüngeren Jahren unter Somnambulismus, auf Deutsch heisst dies auch « Schlafwandeln », der Begriff ist synonym mit Traumwandeln.

In manchen, nicht allen Bildern, alle ohne Titel und im Zeitraum von 2015-2017 gemalt, ist dennoch der ' Kampf ' zu erkennen; 'Es' das Unbewusste erhellt sich in der Art, in der alter, abgenutzter Filz über bereits bestehende Motive, darunter auch die maskierten Gesichter drüber geklebt werden, in der herunterlaufenden Farbe, die an Blut erinnert und immer wieder wird alles neu übermalt und überklebt. Dadurch entsteht eine Dynamik, der Kampf zwischen Leben und Tod. Bei den « Badenden Russen », von Büttner dagegen fehlt der Kampf. Die Stiefel und die sauber gefalteten Uniformen, alles gemalt in seinen für die damalige Periode typischen Brauntönen, das Meer, die Wellen, die Abwesenheit von Menschen lassen eine Lücke entstehen, die Russen können im Meer baden oder nicht. Es bleibt dem Betrachter offen seine Phantasie schweifen zu lassen.

Der fast gleichaltrige Künstler Werner Büttner malte dieses Bild 1984 mit zwei Paar Stiefeln, das gleiche Sujet, nur mit drei Paar Stiefeln malte er 1982 als Antwort auf Gorbatschows Alkoholverbot.

Im Radiointerview hebt er die visionäre Dimension des Gemäldes hervor: « Ich habe es 1982 gemalt; drei Jahre später wurden die Russen besiegt. Für mich brach das Sowjetsystem ganz genau am 17. Mai 1985 zusammen: An diesem Tag versuchte Gorbatschow, Alkohol zu verbieten. Ein entscheidender Moment mit weitreichenden Folgen. »*

Werner Büttner, der 1954 in Jena geboren wurde, zog 1960, ein Jahr vor der Massenflucht mit seiner Familie nach Westdeutschland. Distanziert beschäftigt er sich mit den Themen des Ostens, hier waltet Humor und kein Kampf. Die Polarität entsteht zwischen impulsiver Improvisation im Bild und Musikstück von Thomas Jaax und ruhiger, sorgfältiger Kontemplation über wie, wo und ob die Russen baden gehen oder nicht.